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Forschungskolloquium

Im Rahmen des MA NDL findet jedes Semester ein Forschungskolloquium zu verschiedenen Themen der Literaturwissenschaft statt. Hierzu werden regelmäßig externe Referent*innen eingeladen.

Im Sommersemester 2019 behandeln Dr. Annette Antoine und Prof. Dr. Alexander Košenina das Thema:

"Flucht, Vertreibung, Exil"

 

(Termine: Mi, wöchentl., 18:00 - 20:00, 10.04.2019 - 20.07.2019, 1502 - 415 II 415)

Das Thema des Forschungskolloquiums ist in aller Munde, eine breite gesellschaftliche Debatte findet seit Jahren statt, und zwar nicht erst seit den Fluchtbewegungen ab 2015. Immer wieder, oft in Schüben, kommt es im Laufe der Zeiten zu unfreiwilliger Migration, ausgelöst durch Krieg, Diktaturen, ethnische oder religiöse Konflikte. Dies wird begleitet von Literatur; grundlegend sind die Erzählungen des Kriegsheimkehrers Odysseus von seinen Irrfahrten oder Ovids Elegien anlässlich seiner Verbannung ins Exil am Kaspischen Meer.

Im Kolloquium sollen beispielhafte Texte und neue Perspektiven zu einem alten Thema zur Sprache kommen, beginnend mit den Fluchten aufgrund der Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges bis heute in der Folgeerscheinung der „Neuen Kriege“, politischer Verfolgung und weltweiter Armut.

Den Einstieg leistet Daniel Defoes “Kurze Geschichte der pfälzischen Flüchtlinge“, einem leidenschaftlichen und verblüffend zeitlosen Plädoyer für Menschenrechte und Schutz vor Verfolgung unabhängig von der kulturellen oder nationalen Zugehörigkeit. Goethes „Hermann und Dorothea“ greift im antikisierenden Gewand des klassischen Versepos die zeitgenössisch aktuellen Vertreibungen in den linksrheinischen Besatzungszonen durch die französischen Revolutionstruppen auf. Und während Heinrich Heine in „Deutschland. Ein Wintermärchen“ aus dem französischen Exil die restaurative Situation im deutschen Vormärz beklagt, knüpft Wolf Biermann daran an in seinem gleichnamigen Protest gegen die Zustände im geteilten Deutschland, aus dessen östlichen Teil er kurz darauf 1976 ausgebürgert wird. – Weitere Schwerpunkte bilden die Zeit des NS-Regimes mit Exil- Texten von Irmgard Keun, Joseph Roth und anderen sowie Verarbeitungen heutiger Fluchterfahrungen und der Aufnahme in der Ankunftsgesellschaft, beispielsweise in Jenny Erpenbecks „Gehen, ging, gegangen“ oder Ilija Trojanows „Nach der Flucht“.

Im Kolloquium wechseln sich Gastvorträge, zu denen alle interessierten Studierenden und Dozierenden eingeladen sind, ab mit Seminarsitzungen, die der Vor- und Nachbereitung sowie weiterführender Lektüre dienen.