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Forschungskolloquium

Im Rahmen des MA NDL findet jedes Semester ein Forschungskolloquium zu verschiedenen Themen der Literaturwissenschaft statt. Hierzu werden regelmäßig externe Referent*innen eingeladen.

 


Im Sommersemester 2018 wird unter der Leitung von Dr. Mandy Dröscher-Teille und Dr. Till Nitschmann das Thema:

"Literatur und Gewalt"

behandelt.

In literarischen Texten sind Gewaltakte von der Antike bis zur Gegenwart in ubiquitärer Weise vorhanden. Gesellschaftspolitische Konflikte spiegeln sich in Folter, Vergewaltigung, physischen und psychischen Schmerzen aller Art sowie in körperlicher Versehrung, Deformation und Destruktion von Kunstfiguren wider. Schmerz als Wirkung von Gewalt tritt als absolute, Präsenz einfordernde Erfahrung in den Vordergrund. Als Form der Machtausübung darauf ausgerichtet, den Willen einer anderen Person oder Personengruppe zu brechen, führt Gewalt zu Zerstörung, Chaos, Traumatisierung und Versehrung. Während Mechanismen der Gewalt auf der inhaltlichen Ebene von literarischen Texten (histoire) häufig normativ Kulturkritik herausfordern, spiegelt sich die Gewalt auf der formalen Ebene zahlreicher Texte (discours) in Fragmentierung und Auflösung von Geschlossenheit. Von Homers „Ilias“ über Kleists „Penthesilea“, Bachmanns „Malina“, Jelineks „Liebhaberinnen“ bis hin zu Texten Heiner Müllers, dem In-Yer-Face-Theatre Sarah Kanes und Karen Duves Roman „Macht“ ist Gewalt nicht nur Thema, sondern auch Strukturprinzip literarischer Texte und Merkmal von Sprache. Es stellt sich die Frage, inwiefern Formen von Gewalt (Rassismus, Antifeminismus etc.) überhaupt erst Aspekte von Identität, Gender, ‚Class‘ und ‚Race‘ konstituieren. Angesichts von Krieg und Terror scheint die Welt im Bewusstsein des/der Einzelnen und der Öffentlichkeit in den Medien einerseits ein Ort permanenter Gewaltausübung zu sein, andererseits wird dieses Bewusstsein aber beständig verdrängt. Gewalt scheint medial vermittelt immer als ‚die Gewalt der Anderen‘. Das Forschungskolloquium fragt nach den vielfältigen Formen der literarischen Verarbeitung von Gewalt, wobei ihre Darstellung, Ästhetisierung und Kritik Ausgangspunkte der Diskussionen sein können: In welchem Zusammenhang stehen Gewalt, Geschlecht und (Kultur-)Kritik? Wird Literatur, die Gewalt zur Darstellung bringt, selbst zu Gewalt? Kann Literatur nicht nur Gewalt benennen und darstellen, sondern auch Gewalt verhindern? Wie lässt sich das Verhältnis von Sprache und Gewalt bestimmen? Was ist und wie entsteht Sprach-Gewalt? Ist eine gewaltfreie Literatur und Kunst überhaupt möglich oder ist die Gewalt nicht eine zentrale Voraussetzung von Literatur und damit für Kulturproduktion insgesamt ‚unverzichtbar‘?

Gastvorträge und gemeinsame Seminardiskussionen des Kolloquiums alternieren wöchentlich. MA NDL Studierende sind zum Besuch des Forschungskolloquiums nachdrücklich eingeladen.

 

Das Kolloquium findet 

mittwochs 18:00 - 20:00 Uhr

im Raum 415 im Conti-Hochhaus (1502)

statt.