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Workshop: Didaktische Zugänge zur Gegenwartslyrik

Wokshop am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover vom 25.05 – 26.05.2018

Zunächst im Windschatten medialer Aufmerksamkeit sind in den vergangenen Jahren in Form von  Lesereihen, Blogs und (Online-) Magazinen neue Räume für zeitgenössische Lyrik entstanden. Spätestens seit der Vergabe des Georg Büchner Preises an Jan Wagner 2017 ist ein Schlaglicht auf diese Entwicklung gefallen und die Gegenwartslyrik gewinnt zunehmend an medialer Präsenz und öffentlicher Aufmerksamkeit. Im Deutschunterricht bleibt sie allerdings weiterhin eine Randerscheinung. Während sich auf dem Feld erzählender Literatur der vergangenen 25 Jahre zunehmend ein Kanon ausbildet, der auch Eingang in schulische Curricula findet, endet die Auseinandersetzung mit Lyrik, auch in den Schulbüchern, i. d. R. mit den siebziger, spätestens achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Nur schwach ausgeprägte Kanonisierungstendenzen machen die Auswahl von Texten schwierig – auch, weil das Kriterium der Repräsentativität kaum erfüllbar ist (vgl. Meissner 2011, 202). Hinzu kommt die Sperrigkeit und Hermetik vieler Gedichte, oftmals verbunden mit intertextuellen Bezügen, die für ihre Rezeption vorausgesetzt werden. Weiterhin brechen viele Texte mit gängigen Vorstellungen von Lyrik (vgl. Paefgen 2011, 171f): Sie schaffen häufig eher Distanz, als dass sie ein Ausdruck subjektiven Erlebens sind, und ihre Textur fokussiert vorrangig semantisch offene sprachliche Beziehungen und weniger Bedeutungen, die aus ihr hervorgingen. (vgl. Meissner 2011, 199)

Hieraus folgt, dass Gegenwartslyrik in besonderem Maße umsichtiger didaktischer Rahmungen bedarf, um sie zugänglich zu machen, und zwar sowohl mit Blick auf die SchülerInnen als auch auf die Lehrenden, bei denen sich oftmals auch kein ‚intuitiver‘ Zugang zu den Texten einstellen wird. Ziel des Workshops ist es, mögliche Zugänge auf beiden Seiten erschließen zu helfen, was folgende Themenfelder in den Mittelpunkt rückt:

  • Fragen der Textauswahl: Welche Gedichte eignen sich grundlegend für eine schulische Auseinandersetzung?
  • Fragen der Unterrichtskontexte: In welche etablierten thematischen Unterrichtsreihen (wie Natur- oder Liebeslyrik) lässt sich Gegenwartslyrik in welcher Form einbinden?
  • Fragen von Textcharakteristiken: Gibt es übergreifende, häufig beobachtbare Strukturmerkmale von Gegenwartslyrik und wenn ja, welche Bedeutung kommt ihnen für die Rezeption resp. die Literaturvermittlung zu?
  • Fragen von Intertextualität: Welche Bezüge sind für eine didaktische Vermittlung einzelner Gedichte relevant und in welchen Kontexten (literaturgeschichtlich, kulturell) stehen diese?
  • Fragen der methodischen Erschließung: Welche Formen der Erarbeitung im Unterricht (etwa mit Blick auf strukturalistisch-analytische Verfahren, handlungs- und produktionsorientierte Methoden oder textnahes sowie vergleichendes Lesen) bieten sich zur Erarbeitung an?
  • Fragen nach dem Potential neuer öffentlicher und/oder medialer Räume: Welche Rolle können Lesereihen, Blogs oder (Online-) Magazine im Literaturunterricht spielen? Hat deutschsprachige Popmusik einen Ort im schulischen Literaturunterricht und wie kann man sie sinnvoll didaktisch aufbereiten?

Potentiale wie Herausforderungen von Gegenwartslyrik sollen so anhand konkreter Textbeispiele erschlossen werden und von hier aus auch konkrete Impulse für den Deutschunterricht an den Schulen ausgehen. Dabei ist die Auswahl an Autoren groß. Neben Schwellenfiguren wie Durs Grünbein oder Thomas Kling gibt es zahlreiche Lyriker der jüngeren Generation wie Steffen Popp, Marion Poschmann, Silke Scheuermann, Jan Wagner, Uljana Wolf u.a., deren Werk im Hinblick auf (schulische) Vermittlungsprozesse fokussiert werden könnte.

Das Programm des Workshops finden Sie hier.

Literatur:

Arnold, Heinz Ludwig (Hg): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. Junge Lyrik,  Heft  171 (2006).

Bekes, Peter: Wege zur Gegenwartslyrik. In : Deutschunterricht 60 / 6 (2007). 4-9.

Braun, Michael; Buselmeier, Michael (Hg.): Der gelbe Akrobat. 100 deutsche Gedichte der Gegenwart, kommentiert. Leipzig 2009.
Dieselben (Hg.): Der gelbe Akrobat 2. 50 deutsche Gedichte der Gegenwart, kommentiert. Leipzig 2016.

Czollek, Max; Fehr, Michael; Prosser, Robert (Hg):  Lyrik von Jetzt 3. Babelsprech. Göttingen 2015.

Geiger, Thomas (Hg): Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart. München 2009.

Höfgen, Bea Y.: Wege zu Neuer Lyrik. Liebeslyrik nach 2000. In: Literatur im Unterricht. Texte der Moderne und Postmoderne in der Schule 16/1 (2015). S. 29-51.

Kuhligk, Björn; Jan Wagner (Hg): Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen. Köln 2003.
Dieselben (Hg): Lyrik von Jetzt zwei. 50 Stimmen. Berlin 2008.

Meissner, Almuth: „also wenn ich jetzt ‘n normales gedicht lesen würde…“ Lyrik des 21. Jahrhunderts als Gegenstand des Deutschunterrichts. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes, Vol. 58 / 2 (2011). 194–219.
Dieselbe: Lyrik erzählen: Strategien von Oberschülern zur Konstruktion von Bedeutung bei Gedichten der Gegenwartslyrik. In: Irene Pieper, Dorothee Wiesner (Hg), Fachliches Verstehen und literarisches Verstehen. Studien zu einer brisanten Relation. Frankfurt a. M. u. a. 2012. 211-235.

Paefgen, Elisabeth: Protokoll einer Annäherung – ein didaktischer Versuch über die Lyrik Thomas Klings. In: Literatur in Wissenschaft und Unterricht, 42 / 1 (2011). 5-24.

Petersdorff, Dirk von: Ein Gedicht von mir. Lyrikerinnen und Lyriker der Gegenwart stellen sich vor. Stuttgart 2012.

Pieper, Irene; Rohowski, Gabriele: „Poesie ist einer der Kanäle, durch die etwas Neues in die Welt tritt.“ – Zugänge zu Jan Wagners Regentonnenvariationen und Ulrike Draesners subsong eröffnen. In: Irene Pieper / Tobias Stark (Hrsg.): Neue Formen des
Poetischen. Didaktische Potenziale von Gegenwartsliteratur. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang 2016.

Pompe, Anja (Hg): Kind und Gedicht. Wie wir lesen lernen. Freiburg 2015.

Kontakt:

Dr. Ines Theilen
Dr. Carlo Brune